Vegan – Jugendkultur oder Wertewandel?

By | 28. März 2015


Die Frage, was es mit der Veganismus-Bewegung auf sich hat, hat Jessica Nagel im Rahmen einer Hausarbeit „Veganismus – Jugendkultur oder Wertewandel“ untersucht. Und sich die Mühe gemacht, eine Umfrage zu erstellen, die sie über das soziale Netzwerk Facebook verbreitete. Ihre Erwartungen weit übertreffend, beantworteten ganze Tausendvierhundertdreiundsechzig (in Zahlen: 1463!) Veganer ihre Fragen.

Ich bin begeistert von den Mühen, die hinter dem Auswerten der Daten (mit den ganzen Freitextfeldern) stecken, und möchte mich an dieser Stelle neben den ganzen Teilnehmern auch bei ihr für diese Arbeit bedanken! Wir wollen euch die Ergebnisse nicht vorenthalten, weshalb mir die Ehre zuteil wird, die gewonnenen Daten in Form von mehr oder weniger dynamischen Diagrammen (sie sind beschränkt filterbar!) bereitzustellen.

Natürlich kann die Umfrage nur im Rahmen derjenigen Veganer, die in entsprechenden Facebookgruppen die gepostete Umfrage sahen und bereit waren, sie auszufüllen, als repräsentativ betrachtet werden. Aber ich denke, sie ist dennoch durchaus interessant.

Wer Interesse an der gesamten Arbeit hat, kann nach unten scrollen, und findet dort den Link zum kostenlosen Ebook und der Taschenbuchversion.
Sofern ein Gewinn daraus entstehen wird, wird dieser natürlich für einen guten Zweck oder ein weiteres Projekt verwendet (:

Damit übergebe ich das Wort voller Stolz an Jessica Nagel.

Jessica Nagel
Jessica Nagel
E-Mail: jessica.nagel AT tu-dortmund.de
Studiengang: BA Erziehungswissenschaft
Facebook: https://www.facebook.com/jess2402

Dankeschön!

Als ich die Umfrage für meine Hausarbeit bezüglich Veganismus und Jugendkulturen erstellt habe, hätte ich nie mit derartiger Resonanz gerechnet. Deshalb als allererstes einmal ein riesiges Dankeschön an alle 1.463 Leute, die sich die Mühe gemacht haben, mir ihre Ansichten zu erklären (eine Liste aller Facebookgruppen, die die Umfrage geteilt haben, findet sich am Ende der Hausarbeit). Weil mich euer Engagement so umgehauen hat, hab ich mir trotz verkalkulierter Teilnehmerzahlen die Zeit genommen, jeden Text durchzulesen und habe unheimlich spannende Dinge erfahren, die mich unabhängig von der Hausarbeit auch auf meinem persönlichen veganen Weg weiter gebracht haben.
Die wichtigsten Aspekte der Auswertung habe ich hier so kurz es geht zusammengefasst.

Warum lebst du vegan? Zufällige, anonyme Antwort

Es könnten viel mehr Menschen gesünder ernährt werden, wenn wir auf tierische Produkte verzichteten oder zumindest deren Gebrauch reduzieren würden

Diagrammdaten filtern

Jahre.




Kurzprofil der Teilnehmer

Kurz gesagt, der normierte Teilnehmer ist eine Frau um die 30, mit Abitur und berufstätig, die zwischen einem und drei Jahren vegan lebt und sich zuvor vegetarisch ernährt hat. Diese Behauptung ist natürlich nicht wirklich aussagekräftig, da letztendlich eine Vielzahl verschiedener Persönlichkeiten teilgenommen hat.

Von Minderjährigen, die durch ihre Eltern vegan erzogen wurden, über Studenten und junge Erwachsene, die sich selbst in den vergangenen Jahren kritisch damit auseinandergesetzt haben, bis hin zu älteren Generationen, die schon einen Großteil ihres Lebens vegan/ vegetarisch verbracht haben. Mehr Ähnlichkeiten zeigten sie dagegen darin, dass der Großteil über sogenannte höhere Bildungsabschlüsse verfügt, ein Drittel aller Teilnehmer sind aktuell Studenten.

Auffällig ist, dass unter allen Teilnehmern ein verhältnismäßig hohes Bildungsniveau herrscht. 33% der Teilnehmer haben Abitur, weitere 30% einen Hochschulabschluss. Haupt- und Realschulabschluss verteilen sich auf 20% aller Teilnehmer.

Über die Hälfte der aktuell Berufstätigen und 60% der zur Zeit Arbeitslosen, haben Abitur oder einen höheren Abschluss.

Dass der Großteil der Teilnehmer seit unter 3 Jahren vegan lebt, kann man auf die Tatsache zurückführen, dass in diesem Zeitraum der vegane Lebensstil populärer wurde und vor allem die Möglichkeiten gestiegen sind, so dass auch die Hürde für die Neueinsteiger gesunken ist.

Was mich persönlich überrascht hat war, dass ca. ein Viertel aller Teilnehmer sich nicht zuerst vegetarisch ernährt hat. In dieser Gruppe wurde hauptsächlich die Umwelt als Hauptgrund genannt, was diese sofortige Umstellung erklärt.

Die Frage zu den verschiedenen Lebensbereichen verdeutlicht, dass es unterschiedliche Auffassungen zum Veganismus gibt. Während fast alle Teilnehmer diesen in der Ernährung als „sehr wichtig“ und „wichtig“ einstufen, ist die Meinung in den Bereichen Kosmetik und Kleidung gespaltener, noch stärker im Bereich Reisen.

Auffällig ist außerdem, dass der Großteil der Teilnehmer, die häufig Ausnahmen machen, sich noch nicht sicher ist oder es ablehnt, ihr Leben lang vegan zu bleiben.

Neben den in der Grafik angezeigten Gründen, wurden im Feld „Andere“ hauptsächlich ökologische Gründe genannt (diesen Punkt hatte ich vergessen, als Antwortmöglichkeit anzugeben). Dazu fielen Stichwörter, wie Umwelt- und Klimaschutz, Welthunger, Ressourcennutzung, Nachhaltigkeit und Wasserverschwendung. Auch politische Gründe nahmen einen hohen Stellenwert ein, zum Beispiel die Herrschaftskritik allgemein, aber auch antikapitalistische und antikonsumistische Grundhaltungen. Religion dagegen spielt nur für wenige Teilnehmer eine Rolle. Sechs Teilnehmer nannten schlichtweg Vernunft und Logik als Grund.

Auch wenn sowohl im Familien- als auch im Freundesumfeld unterschiedlich viele Veganer sind, ist auffällig, dass das Thema im Freundeskreis eher gleichgültig oder gemischt aufgenommen wird, während die Familie emotionaler reagiert.

Fast ein Drittel aller Teilnehmer hat ebenfalls Veganer im Familienumfeld, wodurch dieser Bereich als Auslöser mehr in den Fokus rutscht und sich als wichtiges Feld neben der Peergroup und den sozialen Netzwerken zeigt. Im Feld „Andere“ wurde hauptsächlich die selbstständige Beschäftigung mit Literatur und Aktivisten genannt.

Bevor ich zur Fragestellung komme, ob es in der heutigen Gesellschaft überhaupt möglich ist, komplett vegan zu leben, möchte ich allen Teilnehmern, die bei der Frage zum Widerstand „häufig“ oder sogar „sehr häufig“ anklicken mussten, sagen: Ich finde es furchtbar und weiß, wie schwierig es ist damit umzugehen, dass es auf Grund dieser Einstellung zu Problemen kommt. Ich bewundere euch dafür, dass ihr trotz allem daran festhaltet und für eure Überzeugung einsteht und wünsche euch ganz viel Kraft, auch weiterhin damit umgehen zu können! :)

A.V.A.P. – as vegan as possible

Auf Basis meiner eigenen Erfahrungen, habe ich mir die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist komplett vegan zu leben. Fehlende Deklarierungspflicht, Medikamente, die an Tieren getestet wurden und vor allem die Tendenz dieser Gesellschaft dazu, tierische Stoffe in nicht nur allen Lebensmitteln, sondern allgemein in Gebrauchsgütern zu verwenden, scheinen es unmöglich zu machen, ein 100% veganes Leben zu führen. Die meisten Teilnehmer sind ebenfalls dieser Meinung, nur 15 von insgesamt 1.183 Antworten vertraten die Überzeugung, ein veganes Leben sei nach ausreichender Beschäftigung mit dem Thema praktikabel.
Die anderen spalten sich jedoch in zwei unterschiedliche Verständnisse der Aussage auf. Die eine (etwas kleinere) Hälfte, sieht die Schuld eines nicht vollständig veganen Lebens zwar in der Gesellschaft, akzeptiert aber keine persönliche Definition von „so vegan wie möglich“, sondern versteht darunter: „so vegan, wie die Gesellschaft es zulässt“. Sie befürchten, dass dieses Statement oft von Veganern genutzt wird, die es nicht ernst nehmen und sich damit herausreden, ihren Lebensstil konsequent durchzuziehen. Die andere Hälfte dagegen sieht gerade darin den Sinn dieses Konzeptes. Jeder solle so viel geben, wie er kann. Dabei setze er selbst seine persönlichen Grenzen fest und jeder Schritt Richtung vegan, sei ein Schritt in die richtige Richtung.
[Und nur ganz am Rande, weil es in vielen Antworten Thema war: Doch, es gibt eine Pille ohne tierische Inhaltstoffe, beispielsweise Maxim oder Enriqa ;)]

Ein Blick in die Zukunft

Mit ebenso kleinen (mittlerweile größeren) Schritten begann der Vegetarismus in dieser Gesellschaft Fuß zu fassen. Dieser Gedanke ist es, der den meisten Teilnehmern die Hoffnung gibt, dass auch die vegane Lebensweise in Zukunft auf dieselbe Weise anerkannt wird. Einige wenige prognostizieren einen Anteil vegan lebender Menschen auf zwischen 10 und 30% der deutschen Bevölkerung, die Grundtendenz geht aber eher dazu, auf stetigen Anstieg zu hoffen, da die wenigsten vom Veganer wieder zum Omni werden. Außerdem bedenken viele ein Szenario, in dem es auf Grund der fortschreitenden Ressourcenknappheit keine andere Möglichkeit, als die weitverbreitete Verminderung des Fleischkonsums gibt. 2% der Teilnehmer betrachten Veganismus als Trend und erwarten, dass das aktuelle Hoch bald vorbei sein wird und alle wieder in ihren Alltag zurück fallen.

Und das war‘s jetzt?

– Nein, das war es noch nicht. Wir sind mitten in einer wunderbaren Bewegung hin zu einem besseren, bewussteren Konsum und ich kann dem Großteil der Teilnehmer nur zustimmen: vielleicht wird es eine Randgruppe bleiben, aber dennoch ist es zu bedeutend, um als Trend abgestempelt zu werden. Und außerdem, wie schon gesagt, jeder Schritt in diese Richtung hilft, auch wenn wir das natürlich lieber im Sprint erreichen würden.
– Bezüglich dieser Auswertung, ja, das war’s. Wem das alles viel zu unpräzise war und wer sich gerne durch 23 Seiten Text kämpfen möchte, findet die gesamte Arbeit hier als kostenloses Ebook. Dort werden auch die Punkte Umfeld und Konsequenz noch näher beleuchtet und natürlich auch die ursprüngliche Frage beantwortet: Ist Veganismus denn nun eine Jugendkultur?
Also schlussendlich noch einmal Danke für die unglaubliche Unterstützung und diese tolle Community! :)

One thought on “Vegan – Jugendkultur oder Wertewandel?

  1. Kerstin

    Dankeschön Jessica!! Das war sehr interessant. Ich bin noch absoluter Frischling in Sachen vegan leben. Die Informationen tuen gut und helfen weiter. Ich habe auch festgestellt, dass die Reaktionen von Freunden und Familie eher gemischt sind, nicht immer positiv, oft skeptisch und auch mal verständnislos. Da ich selbst noch in der „Eingewöhnungsphase“ und auf etwas wackeligen veganen Beinen stehe, vermeide ich oft noch lange Erklärungen. Gut zu sehen, dass es anderen scheinbar auch so geht. Trotzdem bin ich überzeugt und bleibe dabei. Wenn man sich gut informiert hat und einen gewissen veganen Wissenstand erreicht hat, ist es irgendwie nur noch eine logische Folge sich für vegan zu entscheiden.
    Danke nochmal und viele Grüße,
    Kerstin

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