Veganer, die keinen Honig essen, sind dogmatisch!

By | 8. November 2015

Tisch EssenBesuche von Verwandten oder Bekannten bestehen oft aus gemeinsamen Mahlzeiten. Blöd nur, wenn nicht alle alles Essen wollen. Einige Menschen scheinen das Bedürfnis danach zu haben, etwas Besonderes zu sein. Daraufhin nennen sie sich „Vegetarier“, oder noch schlimmer „Veganer“ und fangen an, sinnlose Ansprüche an Nahrungsmittel zu stellen.

Meist ist das natürlich das pubertierende Kind. Es denkt sich immer neue Methoden aus, gegen die Familie zu rebellieren. Immer will es eine extra Wurst. Es bringt die Eltern, die für das Festessen verantwortlich sind, zum Verzweifeln. Die etwas harmloseren Vegetarier sind ja noch nahezu bedienbar. Man macht das übliche Essen. Schneidet also ein Stück aus einem Tier heraus, bastelt irgendetwas drum herum, damit es nicht so traurig aussieht, und serviert es dann. Dem Kind sagt man, es könne ja die Verzierungen essen. Wenn es Suppe gibt, dann gibt man dem Kind einfach noch ein Sieb dazu, und alle sind zufrieden.

Aber was, wenn sich die Rebellion in Person nicht so einfach zufriedenstellen lassen will? Hier sind die Eltern gezwungen, den doppelten Aufwand zu leisten. Sie müssen zweimal Kochen. Nun gibt es zum einen den Kalbsbraten für die Familie, und zum anderen die Falafeltaschen für das Kind. Und den Salat gibt es einmal mit dem Gartenkräuterdressing, das Milchzucker enthält, und ein zweites Mal mit Gartenkräuterdressing. Der Kuchen zum Nachtisch muss auch doppelt gebacken werden. Einmal mit, und einmal ohne Ei im Teig. Die Kuchenform wird in der einen Variante mit Butter und in der anderen mit veganer Margarine eingefettet. Ja, das Kind weiß, wie es die Eltern foltern kann.

Jedes Elternteil weiß, dass es stark übertrieben ist, auf Lebensmittel mit solch einem geringen Anteil Milchzucker zu verzichten, oder auf Kuchen mit nur einem kleinen Ei aus Biohaltung, oder auf das eine kleine Kalb, das sowieso schon getötet wurde. Aber wer einmal in die Vegan/Vegetarier-Sekte gerutscht ist, der verliert seine eigene Meinung, wird dogmatisch und hört auf, sein Essen zu hinterfragen. Es wird nur noch aus Prinzip gehandelt, ohne nachzudenken, ob das überhaupt sinnvoll ist. Willensschwache Kinder sind besonders gefährdet, bei diesen Sekten mitzulaufen.

Während des gemeinsamen Essens wird lang und breit darüber diskutiert, wie schlimm das Ganze derweil mit der Jugend sei. „Veganer hinterfragen nicht mehr, sie verzichten einfach auf alles. Sie denken nicht mehr über die einzelnen Lebensmittel nach!“, klingt es empört auf. Gefolgt von zustimmendem Murmeln. „Ihr esst doch nicht mal Honig, nur weil es von Tieren kommt. Aber jeder weiß doch, dass Honig gut ist! Die Bienen geben uns gerne etwas von Ihrer Nahrung. Sie bekommen dafür Zuckerwasser, das ist sowieso viel besser für sie. Das Land braucht Imker! Sonst werden doch die ganzen Blüten nicht mehr bestäubt! Und das künstliche Schwängern der Bienenkönigin passiert doch auch nicht oft. Die Flügel muss man ihr doch stutzen, damit sie bei ihrem Volk bleibt. Sie würde sonst wahrscheinlich Gebrauch von ihrer Freiheit machen und dahin fliegen, wo sie hin möchte! Und so viele Bienen sterben doch gar nicht bei der Honigernte. Sind das nicht sogar weniger als die Hälfte? Und die Leute, die behaupten, dass gerade die Monokulturen der Bienen die genetische Armut und das Aussterben bedingten und durch die Bienenfarmen viele andere Insekten verdrängt werden würden, deren Bestäubungseffizienz die der Bienen sogar übersteige, haben doch alle gar keine Ahnung! In China klettern die Leute auf Leitern, um Bäume mit Pinseln zu bestäuben! Und das alles nur, weil ihr Veganer nicht mehr hinterfragt, was ihr esst!“, heißt es weiter.

Der Hardcore-Veganer ist sprachlos. Sie schienen Recht zu haben. Er hatte sich eingeredet, die Produkte, für die Menschen oder Tiere ausgebeutet werden, nicht fördern zu wollen; den Firmen zu zeigen, dass er diese Produkte so nicht möchte, und sie auf diese Weise zu zwingen, mit anderen Werten zu produzieren. Aber sie hatten ihn ertappt. Er lehnte einfach prinzipiell alles ab, was Tierprodukte enthielt, oder von dem er wusste, dass dort Menschen ausgebeutet wurden. Er hatte aufgehört, sein Essen zu hinterfragen.

„Sag schon! Warum isst du keinen Honig?“, drängt es dann fordernder. „Weil… Weil ich.. ich bin mir nicht sicher, ob man das wirklich ethisch vertreten kann.“, ist die schüchterne Antwort. Er wollte nur die Dinge konsumieren, die er aktiv für „okay“ befand und beim Thema „Honig“ war er noch zu unentschlossen.
„Dann informiere dich erst mal über Honig, bevor du das einfach prinzipiell ablehnst!“

„Ich informiere mich über Honig, wenn ihr euch über die Milch, die ihr gerade trinkt und das Kalb, das ihr gerade esst, informiert.“
Und das Gespräch verstummte.

2 thoughts on “Veganer, die keinen Honig essen, sind dogmatisch!

  1. Johannes | Vegan Sneaker Blog

    Ein sehr guter Artikel, leider so oder so ähnlich schon tausend mal passiert. Im Nachhinein habe ich mich immer sehr über meine „Unsicherheit“ geärgert – aber an der richtigen Entscheidung habe ich nie gezweifelt. :-)

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  2. Andre M.

    Ich verstehe immer nicht, was der Dogmatismus auf beiden Seiten soll. Veganismus ist nicht der einzig wahre Heilsweg, das Fleisch essen auch nicht. Jeder wie er meint und es vom Körpergefühl her braucht. Auf die Mengen und die Qualität der Nahrung kommt es ab.

    Aber nein – Veganismus wird zur Ideologie gemacht (wir sind schon vegan, die anderen müssen erst noch so bewusst wie wir werden, immer diese Mörder) und die Fleischesser gehen schon rein aus trotz in ihre alte Meinung und ihre Ideologie zurück (immer diese Körnerfresser, ohne Fleisch gehts doch gar nicht).
    Die Produktionsweise der Nahrungsmittel sollte im Fokus stehen.
    Ob Massentierhaltung einerseits oder Regenwaldflächen die für den vermehrten Sojaanbau gerodet werden – da gibt es an allen Fronten verbesserungsbedarf.

    Sein und sein lassen. Warum fällt es Menschen schwer, einen Mittelweg zu finden?
    Warum muss man die ganze Welt missionieren? Damit will man sich doch meist selbst vergewissern auch ja den richtigen Weg gewählt zu haben.
    Viele Wege führen nach Rom.

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