Trink Milch und steh dazu!

By | 6. März 2017

Trink Milch und steh dazu!

Milch trinken ist einfach, aber was bedeutet es, dazu zu stehen?

Ich kann nachvollziehen, dass einem der Hashtag gelegen kommt, wenn man den doofen Veganer*innen etwas entgegen setzen will. Auch, wenn es sich dabei nur um ein trotziges Stampfen mit dem Fuß handelt.

Aber kommt dieser Appell jenen gegenüber, die ein anderes Niveau an den Tag legen, nicht sehr gelegen?

Provokativ könnte ich sagen, dieses Statement „Trinke Milch und steh dazu“ hätte auch von mir sein können.

Natürlich würde ich nicht zum Konsum von Kuhmilch aufrufen, aber ich würde fordern, dass man dahinter stehen soll, wenn man sie konsumiert und davon ausgehen, dass man es entsprechend lässt, wenn man nicht dahinter steht.

Meine Hypothese wäre, dass die meisten Menschen eben nicht hinter ihrem Milchkonsum stehen.

Milch trinken wird, wie der Konsum der meisten anderen Tierprodukte, in der Regel eine kognitive Dissonanz auslösen, wenn man sich dem bewusst wird, wofür man dort bezahlt. Das eigene Handeln geht nicht mit den eigenen Werten konform.

Viele weichen dem dadurch verursachten Unwohlsein dadurch aus, dass sie im Schutze der „Normalität“ gar nicht darüber nachdenken, oder die Möglichkeit des Unterlassens überhaupt nicht als Option anerkennen.
Es steht von Anfang an fest „Ich trinke Milch.“ und wenn das Thema kritisch beleuchtet wird, dann ist man ja auch gegen „Massentierhaltung“.

Die Anwesenheit von Menschen, die aus ethischen Gründen vegan leben, zeigt, dass „Unterlassen“ eben doch eine Handlungsmöglichkeit ist. Hierauf folgen dann oft die allseits bekannten Rechtfertigungsversuche („Kühe müssen gemolken werden“ etc.).

Im Grunde macht der Hashtag „trinkemilchundstehdazu“ die Sache für Milchkonsumenten nicht einfacher.

Die Aufforderung dazu zu stehen, verlangt, dass man jegliche Prozeduren, durch die die Tiere in der Milchindustrie laufen, vertretbar findet.
Das ist meiner Erfahrung nach jedoch höchst selten der Fall.

Viele sind im tiefsten Inneren eigentlich gegen das Quälen von Tieren. Und wer ehrlich zu sich selbst ist, weiß, dass es auch bei der Milchproduktion grausam zugeht.

Unter diesem Hashtag kann sich eigentlich niemand mehr bei dem Milchkonsum wohlfühlen.

Der einzige und wahrscheinlich häufige Ausweg ist, sich einzureden, man würde ja Weidemilch oder Biomilch kaufen.

Leider muss ich dir, liebe*r Milchkonsument*in, diesen eleganten Ausweg aus der kognitiven Dissonanz vermiesen:

Wahrscheinlich hast du dich nie damit auseinander gesetzt, was in der Milchindustrie der Unterschied zwischen konventionell und bio ist.
Auch in der „Biohaltung“ müssen die Kälber den Kühen entrissen werden, damit du deine Milch bekommst. Das Kalb wird getötet, die Kuh immer wieder geschwängert.

Sei ehrlich: Würdest du mit dem Tier tauschen wollen?

Nüchtern betrachtet würde dieser Hashtag die Gesellschaft dazu zwingen, sich bewusst zu machen, dass die Tierfabriken nicht dem moralischen Stand der heutigen Gesellschaft entsprechen.

Und dass die Kuh, die dort verzweifelt nach ihrem Kalb schreibt auch eigentlich unser Hund sein könnte.

Eigentlich ist es ganz einfach. Tauscht die Kuhmilch gegen pflanzliche Milch und ihr könnt sehr gut dazu stehen.

Für Kälber optimierte Kuhmilch ist kein Pflichtelement der menschlichen Ernährung.
Trink Hafermilch, Mandelmilch, Sojamilch, Reismilch, Kokosmilch oder Haselnussmilch und steh dazu! :)

#trinkmilchundstehdazu
Diesen Hashtag rief agrarmanager ins Leben, entfernte die dazu geposteten Memes aber derweil wieder.

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