Pflanzen leiden auch

By | 26. Dezember 2014

Pflanze

Pflanzen sind auch Lebewesen!

– Noch ein bisschen Argumentationsmunition

Wer hätte sich vor der Entscheidung zur tierleidfreien Ernährung denken können, dass man solch eine Aussage einmal mehr oder minder ernst gemeint vorgeworfen bekommt?

Auch wenn das oft eine unüberlegte Verteidigung gegen potentiell gewissensbelastende Gedanken ist, kann man argumentativ darauf eingehen, wenn man möchte.

Wenn man das tut, kann sich daraus sicher eine spannende Diskussion entwickeln, jedoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass jemand davon wahrscheinlich höchstens indirekt zu veganen Gedanken motiviert wird.

Eigentlich ist es ja fast schon trivial, dass da nicht folgendes hinter steckt:

Ich finde es schrecklich, wenn etwas für meine Ernährung leiden muss und würde einiges dagegen tun wollen, aber blöderweise leiden Pflanzen auch, weshalb ich sie nicht ausschließlich essen will.

In Wahrheit scheint natürlich eher etwas dahinter zu stecken wie: „Du bist nicht perfekt!“ (argumentum ad hominem) oder aber etwas konstruktiver: „Veganismus ist nicht perfekt!“. Aber das ist ein anderes Thema.

Und selbst dort steckt dann im Grunde wohl eher eine Bequemlichkeit hinter. Denn zum einen würde wieder niemand wirklich behaupten „Du verzichtest nicht vollkommen auf Gewalt, weil du ab und an Fußgänger anrempelst, deshalb muss ich auch nicht auf Schlägereien verzichten.“, und zum anderen ist „Du verursachst Pflanzenleid“ in mehreren Punkten stark zu kritisieren.

Hierzu empfehle ich das brillante Video von dem Artgenossen (unten verlinkt).

Ich wiederum möchte lediglich zwei weitere Überlegungen, die auch in fortführender Diskussion über Bewusstseinsphilosophie interessant sein können, anschneiden. Die Aspekte scheinen in der Pflanzenleiddiskussion bisher nicht allzu oft aufzutreten, sind aber meiner Einschätzung nach sehr mächtig.

1. Warum sollten Pflanzen leiden?
Pflanzen haben kein Nervenzentrum. Soweit nahezu offensichtlich. Wer trotzdem daran zweifelt, kann sich ja einmal daran erinnern, dass selbst wir Menschen teilweise wenig äußere Einflüsse wahrnehmen, wenn wir schlafen, oder ohnmächtig sind. Ebenso sind wir vom physischen Leid befreit, wenn wir Bereiche unseres Körpers betäuben, oder gar komplett narkotisiert sind. Wenn also die komplexen Mechanismen zur Schmerzverarbeitung gestört sind, sieht es auch bei uns schon schlecht aus. Und das, obwohl das Gehirn in den genannten Zuständen nicht komplett ausgefallen ist und wir teilweise noch recht gut auf äußere Reize reagieren können, ohne sie wirklich zu empfinden.
Es scheint also sehr weit hergeholt, Pflanzen zu unterstellen, sie würden Leid empfinden.

2. Wann leiden Pflanzen?
Auch wenn man davon ausgeht, dass Pflanzen Leid empfinden, wird es schwierig. Bei Tieren ist es, wie der Artgenosse in seinem Video (Link unten) schon erwähnt, sinnvoll, Schmerz zu spüren, da sie weglaufen können. Pflanzen können dies nicht. Daraus resultiert aber die Frage, in welchen Situationen Pflanzen dann leiden würden.
Naheliegend ist bei Tieren ja zunächst, dass ihnen das weh tut, was letztendlich schlecht für sie ist. Worauf möchte ich hinaus?
Ist es nicht evolutiv gesehen für viele Pflanzen positiv, wenn sie ihre Samen verbreiten können?
Und haben sie nicht oft einen Vorteil, wenn irgendjemand an ihren Früchten interessiert ist?
Einige Früchte legen es ja wirklich darauf an, möglichst ansprechend zu sein.
Warum also sollte eine Pflanze Schmerz empfinden, wenn man ihr hilft, sich zu reproduzieren?
Sollte das wenn überhaupt nicht eher ein positives Gefühl ausmachen, wie bei uns Menschen?
Diese Fragen sind nicht als Argument an sich zu verstehen, da es recht schwach ist, und wir auch viele Wurzeln oder vollständige Pflanzen essen, oder sie einfach zerstört werden. Es dient nur als gedankliche Stütze für folgende Erkenntnis:

Letztendlich gibt es keine Möglichkeit herzuleiten, was zu welchen Emotionen führen soll. Und „sehen“ kann man sie auch nicht. Wir können die Art der Qualia einer Pflanze nur willkürlich erraten.
Und selbst wenn Studien herausfinden, auf welche Reize eine Pflanze wie reagiert, so wüsste man dennoch nicht, ob entsprechende Reaktion Freude oder Leid ausdrückt.

Brillantes Video vom Artgenossen:

3 thoughts on “Pflanzen leiden auch

  1. Admiral von Schneider

    Ich habe bei einigen Diskussionen mit SpeziesistInnen folgendes Denkmuster feststellen können: Menschen, Tiere, Pflanzen. Das Problem der meisten ist dabei, dass sie nicht wissen, dass Menschen Tiere sind. Sie sprechen von Menschen und Tieren, als ob Menschen keine Tiere wären, wie sie von Alkohol und Drogen sprechen, als ob Alkohol keine Droge wäre. Die Fassungslosigkeit stand vielen im Gesicht, als ich sie darüber aufklärte, dass Menschen zu der Unterfamilie der haplorrhinae und der Gattung der hominidae zählen. Dass Pflanzen über ein Bewusstsein oder Schmerzempfinden verfügen, ist, wie erwähnt, hochgradig unwahrscheinlich. Dass dies aber für Tiere gilt, wissen wir aus erster Hand, da wir selber welche sind.

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  2. Luk

    Ganz ehrlich, nur weil man Pflanzen kein Nervensystem haben wie wir oder sonstige Tiere, heißt das nicht, dass sie nicht leiden können.
    Es wird wird immer mit unserem organischem System verglichen, was ja sinnlos ist.
    Fakt ist, das man bisher nicht beweisen kann, ob Pflanzen denken oder Schmerz e empfinden etc., weil gerade der bereich der Botanik ist sehr Komplex ist, trotz des „offensichtlich einfachen Aufbau der verschiedene Arten„.

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  3. rob

    Ich finde eines der besten argumente gegen „pflanzen leiden auch“ ist, dass tiere ja selbst wiederum pflanzen essen muessen, und zwar mehr, als wenn nur wir selbst direkt die pflanzen aessen. D.h. selbst jemand, der tatsaechlich an pflanzenleid glaubt, muesste vegan leben, weil dann zumindest weniger pflanzen leiden wuerden.

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