Freundlichkeit und Rechte

By | 27. Juli 2017

Es gibt einen Unterschied zwischen Freundlichkeit und dem Zuspruch angemessener Rechte.
Man kann zu Individuen, die man ausbeutet oder diskriminiert auch nett sein.
Es ist durchaus ein Problem, dass viele bewusst oder unbewusst davon ausgehen, beides würde sich ausschließen.

Im Beruf, in Beziehungen und überall sonst ist es möglich, dass Ungerechtigkeit erfahren wird, während man sich sympathisiert.
Mit so etwas umzugehen, ist verständlicherweise schwierig.

Man bleibt mit Menschen in Beziehung, die einem eigentlich irgendwie schaden, weil man eine Distanzierung nicht als gerechtfertigt empfindet, wenn man sich doch sympathisch ist.
Oder man zweifelt am eigenen Selbstwert und sieht die Probleme bei sich selbst, weil es so paradox erscheint, wenn sympathische Menschen sich unkorrekt verhalten.
Oder man arbeitet mit oder für Menschen, die überfordern oder zu wenig vergüten oder anderweitig zurückgeben. Bewusst, aber oft auch unbewusst.

Und auch von außen scheint das schwierig zu sein.
Es gibt immer noch zu viele Menschen, die so etwas wie die Frauenquote einfach abtun oder es unangemessen finden, sich über geschlechtsbedingtes niedrigeres Gehalt zu beschweren.
Man sieht halt kein Blut.
Das ist zwar eine notwendige, aber keineswegs eine hinreichende Bedingung dafür, dass etwas korrekt und fair abläuft.

Das Abschaffen von Sklaverei im Sinne der Freiheitsberaubung und Quälerei ist nur der erste Schritt.
Jenen Individuen beispielsweise Wahlrecht zuzusprechen erscheint heute selbstverständlich.
Man muss sich klar machen, welch riesiger Sprung das gedanklich eigentlich ist.
„’Niedere Menschen‘ nicht quälen“, lässt sich so viel leichter verkaufen als „sie sollten auch wählen dürfen.“

Vor derselben Unterscheidung steht man auch bezüglich Tieren.
Das ist der Unterschied zwischen „tierfreundlichen“ Menschen bzw. „Tierschützern“, die sich für „bessere Bedingungen“ und gegen Quälerei aussprechen und Tierrechtlern, die sich auch gegen Zoos positionieren.

Man mag sich kaum vorstellen, wie absurd die Forderung nach Wahlrecht für Frauen mal geklungen haben muss und man darf nicht erwarten, dass die Forderung nach grundlegenden Tierrechten (wie z.B. auf Leben und Freiheit) überzeugender klingt.

Es ist zu bedenken, wie weit selbst die Forderung nach Leidfreiheit (im Sinne von physischer Brutalität) vom Alltag entfernt ist. Selbst Töten klingt harmlos, wenn es „nur Tiere“ sind.
Es ist also noch ein weiter Weg.

Solange Menschen das Einsperren von Tieren, das Töten bei „Unwirtschaftlichkeit“, das Kastrieren, Schwänze und Schnäbel Verstümmeln, Zerschreddern, Vergasen und Entrauben der Kinder „befürworten“ oder auch nur „tolerieren“ um Fleisch, aber insbesondere auch Ei, Milch, Käse etc. konsumieren zu können, werden Tierrechtler mit der simplen Forderung nach dem Recht auf Leben und Freiheit angesehen, als wären sie Verrückt.

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