Flüchtlinge sind keine Menschen

By | 2. Oktober 2015

Ich bin heute Flüchtlingen begegnet. So richtig echten. Ihr wisst, das sind diese Menschen, die mit ihren Handys den islamischen Staat nach Deutschland bringen wollen, um uns die Jobs zu klauen, weil sie den Luxus hier wirtschaftlich ein bisschen besser finden, als den in ihrem Herkunftsland. Oder so ähnlich.

Ich stand an der Bushaltestelle und schaute nach links. Zunächst hielt ich sie für ganz normale Menschen, aber dann fiel mir auf, dass sie gar nicht so deutsch aussehen. Es war eine Mutter mit zwei Kindern und einer älteren Dame, ich nehme an, es war die Großmutter. Sie hatten allesamt keine blonden Haare. Nicht mal blaue Augen konnte ich erkennen.

Kurz überlegte ich, ob so die Flüchtlinge aussehen, von denen alle immer sprechen. Aber mein ungeschultes Auge konnte noch kein eindeutiges Kriterium ausmachen, an dem man hätte erkennen können, welcher Gesinnung von Mensch man gegenüber steht.

Anfangs lächelte die Mutter nicht. „Die sind ja genau so böse, wie die ganzen Nazis sagen.“, dachte ich mir. Es bestand aber noch die Möglichkeit, dass es sich um ganz normale Leute handeln würde. Ich beschloss, sie nicht vorschnell zu verurteilen und fragte mich, ob sie deutsch sprechen konnten. Aber heutzutage ist selbst die Unfähigkeit deutsch zu sprechen nur noch ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium. Es wird immer schwieriger zu erkennen, welche Menschen weniger wert sind als andere. Man möchte ja auch keine deutschen zu Unrecht diskriminieren oder aus dem eigenen Land wünschen.

Die Mutter kam plötzlich auf mich zu und fragte mich, ob ich Englisch beherrschen würde. Sie fragte mich, wo ein Laden sei. Sie suchten Läden, in denen man einkaufen kann. Im Grunde wollte sie also in die Innenstadt.
Ich erklärte ihr, dass der nächste Bus mitten ins Zentrum fahren würde.

Auf einmal wurde mir klar, dass ich sie sympathisch fand. Obwohl sie aus ihrem Heimatland geflohen sind! Das durfte nicht wahr sein. „Es sind Flüchtlinge! Es sind Flüchtlinge!“, versuchte ich mir einzureden. Doch erfolglos. Sie waren auf einmal ganz normale Menschen, die ich respektierte. Ich konnte einfach nichts dagegen tun. Ich erfuhr auch, dass sie seit einer Woche hier seien.

Nein, ich kann diese sarkastische Atmosphäre nicht weiter fortführen. Stilwechsel.

Seit einer Woche sei die Familie nun hier und das erste, was ich dachte war „Oh Spaghettimonster, bitte lass sie noch nicht so viel Fremdenhass erlebt haben!“. Ich sah in die Augen ihrer Kinder und hatte Angst. Ich hatte Angst, dass sie hier unsympathischen, feindseligen Menschen begegnen mussten. Ich habe so gehofft, dass das Positive überwiegt, dass sie freundlich empfangen wurden, man sie anlächelt und man ihnen die Achtung entgegen bringt, die jeder Mensch verdient.
In dem Moment war mein Wunsch, dass sie nach all den Schwierigkeiten, durch die sie gegangen waren, die ich weder kenne noch erahnen kann, hier das Gefühl von Hoffnung bekommen. Und zwar auch Hoffnung bezüglich der Menschheit und der Gesellschaft.
Vielleicht hatten sie und ich Glück und es begegnete ihnen noch kein zutiefst besorgter Bürger.

Der Bus hielt an, ich stieg ein, die Familie tat es mir gleich und fragte den Busfahrer, wie viel die Fahrt kosten würde. Er rechnete kurz, und nannte dann eine Summe von 8,60 Euro. Die Mutter bedankte sich sehr freundlich, rief die Kinder und die Großmutter wieder zu sich, sagte, sie hätte nicht so viel, und verließ den Bus.

Mich erstaunte unglaublich, dass sie das einfach so hin nahm und nicht mal daran zu denken schien, den Busfahrer zu bitten sie trotzdem mitzunehmen.

Ein anderer Umstand machte diese Situation für mich sehr schrecklich. Ich holte mein Portemonnaie heraus, doch blickte in gähnende Leere.

Ich bereute es extrem, kein Geld gehabt zu haben. Ich hätte sonst helfen können. Diese Menschen hätten einfach nur einmal in die Stadt gewollt. Und es wäre die ideale Gelegenheit für eine kleine freundliche Geste gewesen.
Ich werde ab jetzt möglichst immer Bargeld dabei haben.

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