Essen ist Religion! – Gesund ernähren – Quarks & Co

By | 24. Mai 2017

Essen ReligionLiebes Team von Quarks und Co.,
ich habe ein paar kurze Fragen zu eurer Sendung mit dem Thema Ernährung.
Oder genauer gesagt: „Gesund ernähren – geht das?“ (Dienstag, 23.05.2017, Mediathek)

Ich selbst lebe vegan und finde es bei solchen Sendungen natürlich immer spannend, in welches Licht ich gestellt werde. Eigentlich habe ich mich durch die Frage nach der Gesundheit nicht angesprochen gefühlt. Ich lebe nicht aus gesundheitlichen Gründen vegan, sondern aus ethischen. Meine Ernährungsmotivation kam in eurer Sendung nicht vor. Es ging ja um „Gesundheit“ als Motivation hinter der Ernährung. Und dann ging es noch um die Krankheit (Essstörung).

Es wäre zwar nett gewesen, in einem Nebensatz zu erwähnen, dass es für gewisse Ernährungsstile auch ethische, ökologische und ökonomische Motivation gibt, aber das kann ich im Universum der Gesundheit natürlich nicht erwarten.

Wenn das nächste Mal Bekannte zu mir kommen und mir sagen „Hey, deine Ernährung ist wie eine Religion!“, dann könnte ich natürlich sagen „Nein, die haben das doch nur auf Gesundheit bezogen.“

Aber leider ist auch das nicht fair. Denn gesundheitlich motiviertes Essen muss nicht mit Religion verglichen werden.

Das bringt mich zu meiner ersten Frage:
Warum gab es keine Gegenposition?
Es wurden Menschen und ihre Ernährungen vorgeführt, die Bilder schon so kritisch geschnitten, als wäre das alles Blödsinn, der an Sekten erinnern soll.
Damit holt man natürlich unterhaltungstechnisch viel heraus, aber warum kommt im sachlichen Part nur ein Theologe zu Wort, der Ernährung mit Religionen gleichsetzen will?
Eine andere Position wurde nicht dargestellt. Entschuldigt, falls ich das einfach nur übersehen haben sollte.

Persönlich würde mich noch sehr stark interessieren, warum ein evangelischer Theologe Interesse daran hat, die Ernährungsformen als Religion darzustellen.
Es ist ja immerhin negativ Konnotiert. Möchte er so etwas sagen, wie „Die Ernährung als Gesundheitsreligion ist doof, die versprechen die Heilung schon im Diesseits. Kommt lieber zu mir, ich erzähle euch vom Jenseits!“
Aber das nur am Rande.

Die andere Seite darzustellen wäre durchaus interessant gewesen. Denn Essen ist immer ein kulturelles Ritual, egal, ob man „normal“ isst, oder nicht. Jegliche Aspekte, die in diesem Sinne für eine Religion sprächen, treffen jede Form der Ernährung.
In der Sendung wurde als weiterer Grund das bewusste Einkaufen genannt. Hier sehe ich nicht, warum es plausibel sein soll, dass „bewusstes Handeln“ zum einen negativ und zum anderen religiös sein soll.

Ich kann es also durchaus umgekehrt sehen, wenn ich möchte. Der Theologe wäre dann in eine Religion hineingeboren worden, in der mit grausamen Praktiken Tiere misshandelt werden, um sie oder ihre Körperflüssigkeiten anschließend zu konsumieren. Er hätte das nie hinterfragt, sondern stets bei dem Ritual des Abendbrotes im Kreis seiner Glaubensgenossen teilgenommen.
Wer das jedoch hinterfragt und sich davon abwendet, wird von der Gemeinschaft ausgestoßen und steht erst einmal allein da.

Wenn man das mit Religionen vergleichen will, dann steht diese Richtung mindestens genau so plausibel dar.

Mit dem Stichwort der Ideologie „Karnismus“ (Melanie Joy) wird das Ganze dann noch viel interessanter.

Falls ihr erneut ein polarisierendes Thema für eine Sendung sucht :)
Ich biete euch natürlich gern an, bei solch einer ethischen bzw. philosophischen Thematik einen Blick auf die Sendung zu werfen, um als „Experte“ die schlimmsten Fehlschlüsse zu verhindern.

Meine zweite Frage bezieht sich auf euren Appell.
Nachdem ihr die Aussagekraft der Metastudie zur Frage, inwiefern Fleisch Krebs begünstigt kritisiert, erwähnt ihr das Darmkrebsrisiko, das um 18% auf 6% stiege.
Dann wird ziemlich direkt behauptet, dass das nur 6 von 100 Menschen wären. Und das sei ja „nur eine*r mehr“, sehr wenig, also egal.

Später, als es um Essstörungen geht, sprecht ihr von 3.9% betroffener.
Der Kommentar hierzu ist, dass das sehr viel ist, denn das seien „39 von 1000“.

Diese Einschätzungen und impliziten Empfehlungen passen offensichtlich nicht zusammen.
Zumindest dann nicht, wenn man davon aus geht, dass sowohl Essstörung als auch Darmkrebs irgendwie doof sind. Und ohne das vergleichen zu wollen gehe ich davon aus, dass es sich bei beidem um Dinge handelt, die man eigentlich gern vermeiden würde.

Was wollt ihr mir jetzt sagen?
Ist es relevant, dass Fleisch Krebs verursacht, oder ist es irrelevant, dass es Essstörungen gibt?

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