Diskutieren – Was man beachten sollte

By | 6. Dezember 2015

Jeder sollte seine Meinungen zur Diskussion stellen und sie bei Bedarf anpassen.

Diskussion Puzzle

Diskutieren kann man lernen

Der Wert der Philosophie wird viel zu oft unterschätzt. Gerade beim Diskutieren ist sie wichtig. Leider begegnet sie einem in der Regel nur, wenn man den Religionsunterricht in der Schule verweigert.
Man muss sich also letztendlich selbst in diesem Bereich schulen. Man muss sogar zunächst das verdrehte Bild von „Jeder hat Recht!“, das einem ständig während der Bildungslaufbahn indoktriniert wird, gerade biegen.

Was ist eine Meinung?

„Meinung“ impliziert im Alltag eine Art Unantastbarkeit. Eine Meinung dürfe zwar vielleicht unter Umständen kritisiert werden, aber „falsch“ sei sie nie.
Wikipedia hilft hier gut weiter:

Unter einer Meinung wird in der Philosophie eine Art des Fürwahrhaltens verstanden, die nicht auf strenger Prüfung beruht und sich infolgedessen der Möglichkeit des Irrtums bewusst ist.

In diesem Sinne dient eine philosophische Diskussion keineswegs dem stumpfen Präsentieren der eigenen Ansicht, sondern der Auseinandersetzung mit ihren jeweiligen Argumenten und dem Ziel beider Parteien, sich weiterzubilden und vor allem auch seine eigenen Fehler zu finden und zu korrigieren.
Eine ideale, philosophische Diskussion zwischen zwei sich widersprechenden Positionen, würde mit der Erkenntnis enden, dass mindestens(!) eine der Positionen fehlerhaft ist.

Wie diskutiert man?

Das Diskutieren selbst ist oft schwieriger, als man zunächst annimmt. Weshalb ich eine Grundbildung (z. B. in Form von Philosophieunterricht) für sehr sinnvoll halte. Ohne konstruktives Diskutieren kommt die Gesellschaft nicht vorwärts. Vielleicht wäre die Erde dann sogar noch eine Scheibe.
Ich würde behaupten, dass ein jeder seine Kompetenzen im Diskutieren noch verbessern kann (mich schließt das natürlich ebenfalls ein).
Entgegen der allgemeinen Ansicht ist beim Diskutieren nicht das am „Richtigsten“, was am lautesten gebrüllt wird. Und auf welche Weisen man eine Person beleidigen kann, hat auch relativ wenig mit der Richtigkeit seiner Aussagen zu tun.

Zunächst dürfen die Parteien ihre jeweiligen Positionen nicht als unantastbar ansehen. Dennoch sollten sich beide aus empathischen Gründen darüber bewusst sein, dass ihre Meinungen gegebenenfalls unterschiedlich genau geprüft wurden. Ein Computerspielexperte, mit einem Doktor in Psychologie und dem Schwerpunkt auf Aggressionsforschung, der sich seit 10 Jahren mit der Frage, ob Ballerspiele die Amoklaufwahrscheinlichkeit erhöhen, befasst, steht natürlich etwas anders da, als eine Person, die nicht in der Thematik steckt, sondern instinktiv dazu tendiert, Ballerspiele zu verteufeln; oder einem Vollblutgamer, der nicht wahr haben möchte, dass sein geliebtes Hobby auch negative Folgen haben könnte.
Aber auch, wenn die unerfahrenere Person demnach zunächst in einer passiveren Rolle steht, muss sich der Experte bewusst sein, dass dennoch die Möglichkeit besteht, dass ein Fehler in seiner Argumentation gefunden wird.

Man diskutiert nicht gegeneinander, sondern miteinander!

Das Ziel beider Parteien sollte es nicht sein, zu „gewinnen“, sondern gemeinsam die „Wahrheit“ zu finden. Dadurch haben beide etwas gewonnen. Mit dieser Einstellung wird die Gefahr von reaktanten Reaktionen vermindert.
Denn, machen wir uns nichts vor, ob logisch oder nicht, es ist immer schwierig, seine alte Position fallen zu lassen. Aber eben das ist die Kunst! Und wer seine Meinung geändert hat, kann stolz auf sich sein! Da das sehr wenigen gelingt, gebührt dem immer Respekt.
Umso wichtiger ist es, dass beide Parteien darauf achten, das Ändern der Position möglichst angenehm zu gestalten. Viele tendieren instinktiv dazu, einen möglichen Irrtum ins Unangenehme zu ziehen. Aber wen bringt das weiter? Das eigene Ego?

Es geht um die Argumentation, nicht um den Menschen!

Selbst wenn ihr mit Hitler über irgendetwas diskutiert, kann es sein, dass er Recht hat.
Wenn man also wirklich diskutieren will, sollte man das in einem gewissen Maße distanziert tun. Stellt euch vor, euer bester Freund oder eure beste Freundin sind der Meinung, dass man Kinder schlagen sollte (entschuldigt, mir fällt gerade nichts Besseres ein).
Ihr habt nun im Prinzip die Wahl, ob ihr euch fürchterlich streitet und eure Freundschaft zerstört, oder ob ihr euch dessen bewusst seid, dass ihr Menschen gegenübersteht, die ihr mögt, und es irgendwo in euren Positionen Fehler oder Missverständnisse gibt.
Wenn ihr es hinbekommt, nicht zu emotional zu diskutieren, dann könntet ihr Beispielsweise aufdecken, dass ihr beide gegen Leid seid, nur euer Kumpel/eure Kumpelin denkt, Kinder würden nicht leiden. (Welch schlechtes Beispiel, aber ich hoffe, der Punkt wird klar.)

Eigentlich wollen wir alle das Gleiche!

Diese Annahme ist bei Diskussionen sehr hilfreich. Insbesondere, wenn es um Ethik geht. Wer mit dieser Einstellung in eine Diskussion geht, dem wird es leichter fallen, Verständnis zu zeigen und sein gegenüber nicht zu schnell in eine Schublade zu stecken, in die er wahrscheinlich gar nicht gehört. Denn oft beruhen Meinungsverschiedenheiten auf Missverständnissen, sich unterscheidenden Definitionen, oder unterschiedlichen Annahmen über die Welt. All das lässt sich synchronisieren und aufklären, sodass letztendlich doch alle der gleichen Meinung sind.

Behaltet den Überblick!

Wenn eure Meinungen sich widersprechen, dann ist mindestens eine davon fehlerhaft. Der Fehler könnte auch bei euch liegen. Es ist sehr wichtig, im Überblick zu behalten, welche Prämisse zu welchem Schluss führt, welche ihr annehmt oder für falsch haltet und wodurch welche Aussage widerlegt werden würde.
Es dürfen keine Einwände übersprungen werden, da es vielleicht jene sein könnten, die das Rätsel lösen.

Selbstreflexion!

Die meiner Einschätzung nach wichtigste Fähigkeit ist die, sich selbst zu reflektieren. Sich seinem Verhalten und dessen Begründung bewusst zu sein. Man sollte immer ein Auge auf sich selbst haben.
Reagiere ich zu aggressiv? Rede ich mich gerade nur heraus, obwohl die andere Person in diesem Punkt eigentlich Recht hat? Lehne ich die Position prinzipiell ab, oder bin ich mir bewusst, dass ich mich irren könnte? Reite ich gerade auf Fehlern der anderen Person herum? Was würde ich an der anderen Stelle sagen/tun/denken?

Wir sollten alle lernen, vernünftig zu debattieren, und das Korrigieren der eigenen Position als Erfolg zu werten!

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